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02/11/2009 -
von Matteo Marenghi (Agronom und Weinjournalist)

Die Lage auf dem Weinmarkt ist uns allen nur zu gut bekannt: Die seit Jahren bestehende Krise wird durch die derzeitige, weltweite Wirtschaftsrezession teilweise extrem verschärft. Die Preise fallen kontinuierlich bei dennoch sinkenden Absatzzahlen, und auch der Konsum in den neuen Märkten kann die Verluste in den traditionellen Weintrinker-Ländern nicht wettmachen. Von den Schwankungen des Marktes abgesehen, ließ sich in den letzten Jahren ein maßgebliches Element für den Weinumsatz auf internationaler Ebene festmachen, nämlich der Bekanntheitsgrad (des Erzeugnisses, der Herkunft, der Marke usw.). Auch wenn dieser Faktor offensichtlich weiterhin von strategischer Bedeutung ist, wird er doch durch eine weitere – wenn auch auf ersten Blick vielleicht banale – Determinante ergänzt: die Verfügbarkeit.  In diesem Sinne müssen die Synergien zwischen großen Unternehmensgruppen mit den entsprechenden Vertriebsnetzen und kleinen, oft renommierten Herstellern, die sich allerdings nur schwer „verkaufen“ können, besser genutzt werden. Die Bekanntheit ist zwar das Resultat zahlreicher Komponenten, gründet sich aber mit Sicherheit auf Konzepte wie Wiedererkennbarkeit, Identität, Übereinstimmung mit einem bestimmten Modell (önologisch, Lebensstil, Image usw.). Die Weinlandschaft Südtirol weist diesbezüglich einen starken Merkmalspool auf: Berge, bestimmte Rebsorten (üblicherweise werden hier Weißweine mit ausgeprägtem Aroma, allen voran der Gewürztraminer assoziiert), begrenzte, qualitativ hochwertige Produktion, mittelhohes Preissegment, mitteleuropäischer Kulturkreis.

Die Gegenüberstellung Weinanbaugebiet - Rebsorte  aufheben
Anbaugebiet und Rebsorte:  Dieses Begriffspaar prägt (mit teilweise hysterischen Ausprägungen in der Kommunikation) Angebot und Nachfrage auf dem Weinmarkt. Den Südtiroler Weinen steht die eine wie die andere Option offen, und das sollte besser genutzt werden. Südtirol plus Rebsorte, das ist eine optimale Präsentation des Weines gegenüber dem Konsumenten – auch auf internationaler Ebene.
 

Rückbesinnung auf die frischen Weißen
Wie alle anderen Gebiete ist auch Südtirol der Tendenz zu den Rotweinen gefolgt, die sich aufgrund der Nachfrage des Marktes rapide rückläufig darstellt. Nun ist es nötig, entschieden auf Weißweine zu setzen und zwar auf Varianten, die den Unterschied zwischen den verschiedenen Rebsorten optimal hervorheben. Die Strategie sollte auf Rebsortenweine ausgerichtet werden. Allen Unkenrufen, die den italienischen Pinot Grigio schon wenige Jahre nach seinem Debüt wieder tot wissen wollten, zum Trotz muss festgestellt werden, dass der Pinot Grigio eine Art „Brand“ repräsentiert, die weltweit funktioniert und noch immer als extrem „trendy“ gilt. 
 
Den Aspekt der „Naturbelassenheit“ unterstreichen
Südtirol (wie auch die Region Trentino) hat es schrittweise geschafft, das Image als eines der umweltbewusstesten Gebiete Italiens zu erobern. In diese Richtung mussweitergearbeitet werden.
Denn neben den Produkteigenschaften selbst kommt heutzutage einem Mix aus ökologischen, die Gesundheit betreffenden und ethischen Aspekten der Produktion eine immer stärkere Bedeutung zu.
   
Der Konsument braucht vor allem Ehrlichkeit
Und schließlich ist im Zusammenhang mit den Unternehmensstrategien noch der Bereich „korrektes, transparentes Auftreten“ zu nennen. Der kostbarste Wert in der Beziehung zwischen Hersteller und Käufer ist die Transparenz, die Vertrauen schafft. Täuschungen wirken sich unweigerlich katastrophal aus und können eine über Jahre oder Jahrzehnte erworbene Reputation ruinieren. Die Südtiroler gelten dagegen als seriöse Produzenten und auch dieser Aspekt sollte nicht nur geschützt, sondern darüber hinaus entsprechend kommuniziert und hervorgehoben werden. 

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